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Artikel vom: 08.05.2009
Extrawürste für Präsidenten und Majestäten
Gastronomisch ist und ißt Barack Obama wie Bush
Kulinarisch wird sich im Weißen Haus in Washington unter dem neuen Hausherrn nicht viel ändern.
Auch Barack Obama steht nicht gerade im Ruf eines praktizierenden Gourmets; er schätzt unkompliziert zubereitete und leger zu verzehrende Gerichte wie Sandwich (mit Corned-Beef), Fritten mit Käse, eine Pizza „Almost Gourmet“ (belegt mit Wurst und Salami) sowie die „Hot Dog“ genannte Bratwurst, bestrichen mit Ketchup oder Senf und umhüllt von einer wachsweichen Weißbrotstange, deren Geschmack mit neutral noch barmherzig beschrieben ist. Neuerdings wird dank des Einflusses von Michelle, der resolut charmanten First Lady, zwar Wert auf gesunde Nahrung in Form von viel Salat, Gemüse und Obst gelegt, aber in punkto seiner Vorliebe für typisch amerikanisches Fast Food wie in der Geschwindigkeit des Verzehrs ähnelt Obama seinem Vorgänger im Amt des Präsidenten. Gastronomisch ist und isst Obama wie Bush.
Laura Bush, die Gute, hält ihren „George für einen sehr guten Esser“, was allerdings nur eine höfliche Umschreibung dessen ist, was Condoleezza Rice, seine engste politische Vertraute, etwas konkreter einmal so formuliert hat: „Er isst sehr schnell, wenn man nicht aufpaßt, ist er schon beim Dessert, während man selbst noch den Salat isst.“ George W. Bush mag beispielsweise nichts, was auf dem Teller seltsam aussieht. Rinderbraten mit Holunderbeersenf liebt er, desgleichen Erbsensuppe („mit einem Hauch Lavendel“ laut seiner Frau), auch Sandwich mit Erdnußbutter, zum Frühstück unbedingt Marmelade, nach texanischem Ritus jedoch alles, was unter freiem Himmel gegrillt werden kann, flankiert von viel Soße. Hinzu kommt eine Schwäche für Cremetorten – was wiederum an Helmut Kohl erinnert, der für eine Sachertorte sogar politische Termine schwänzte.
Im Protokoll des Auswärtigen Amtes in Berlin werden die gastronomischen Lüste und Leiden der Staatschefs seit langem notiert. Zu den Leibspeisen von Wladimir Putin gehört ein mit Speck und Dörrpflaumen gefüllter Truthahn. Generell mag es der Kreml-Chef, der regelmäßig sportelt, gesund, doch lässt er sich, wie sein Chefkoch Michail Schukow verrät, mit Eiscreme verführen. Auch Fischen ist Putin zugetan. Sinnlicher ließ es Boris Jelzin angehen, der verstorbene Vorgänger von Putin. Jelzin mochte es schwelgerisch und reichlich, auf dem Teller und vor allem im Glas. Bei Staatsbanketten ließ er sich ungerührt von zwei hinter ihm postierten russischen Dienern laufend aus zwei viereckigen Flaschen ohne Etikett eine glasklare Flüssigkeit einschenken. Wasser oder Wässerchen? „Wodka“, wie ein deutscher Kellner flüsternd verriet.
Als eher harmloser, leicht zu beglückender Gast gilt Gordon Brown, der sich an Favoriten der klassischen englischen Küche zwischen Räucherlachs, gegrilltem Fisch, Rinderbraten, Lammrücken mit Minzsauce und Pudding gerne labt. Deutlich heikler gibt sich Queen Elizabeth II. Zwar würde die Königin niemals mäkeln, aber wenn sie eine Speise nicht mag, dann beginnt ein Ritual, das jeden Koch entsetzt: die Queen zerschneidet die Portionen und schiebt sie manierlich auf dem Teller nur hin und her. Austern und Muscheln, blutiges Fleisch, Milchpudding, kalte Krustentiere, Fische mit Gräten und Aspik sind ihr ein Greuel. Hingegen mag sie bodenständige Gerichte wie Erbsensuppe mit Minzsauce sowie rheinischen Sauerbraten, und als ihr in Berlin im November 2004 ein Holunderbeerensalat serviert wurde, hat sie sogar um das Rezept gebeten.
Jacques Chirac, der französische Ex-Präsident, spottete gerne, die englische Küche sei nach der finnischen die schlechteste in Europa, um süffisant nachzusetzen, dass man Menschen, die derart schlecht kochten, nicht trauen könne. Ausländischen Kollegen ließ Chirac protokollgerecht französische Grande Cuisine auftischen. Für Gerhard Schröder hat er sogar einen 1961er Château Haut-Brion entkorken lassen, einen Lieblingswein des deutschen Exkanzlers für runde 4 000 Euro pro Flasche. Doch im Grunde seines Magens bevorzugte Chirac deftige Hausmannskost. Bei seinen Besuchen in Deutschland ließ er sich am liebsten mit bürgerlichen Speisen verköstigen. Zu einem Essen mit Gerhard Schröder in dessen Amtszeit als Kanzler gab es Eisbein, Sauerkraut und Erbsenspeckpüree. Es ist kein süßes Geheimnis, dass der Exkanzler gerne große Weine trinkt, teure Zigarren kubanischer Herkunft raucht und getrüffelte Gerichte nebst Kaviar liebt, doch kulinarisch auch mit Vulgaritäten wie Currywurst ohne Darm mit Pommes glücklich ist, Wiener Schnitzel mag und vor allem Kohlroulade.
Auch Nicolas Sarkozy speist nicht gerade zur höheren Ehre der französischen Hochküche. Im Gegensatz zu Vorgängern im Elysée-Palast wie Giscard d’Estaing, Georges Pompidou und zumal Francois Mitterand, einem versierten Feinschmecker, begnügt sich der französische Staatschef mit Gediegenem der französischen Bürgerküche in überschaubaren Portionen, die er, wie Besucher registrierten, in erstaunlichem Tempo bewältigt. Und anstelle von großen Weinen, gar Champagner, schenkt sich Sarkozy lieber Mineralwasser ein. Damit stößt er bei Schwedens König Gustav auf Unverständnis, denn der liebt die großen Roten aus Bordeaux, denen er auch tüchtig zuspricht, während Königin Sylvia, die gerne Fisch isst, dazu deutschen Riesling favorisiert.
Horst Köhler greift wacker und lebensfroh zu, wenn ihm ein Gaisburger Marsch serviert wird, sein Leibgericht, eine rustikale Mixtur aus Rinderbrust, Kartoffelwürfel, Sellerie, Lauch und Spätzle in kräftiger Rinderbrühe. Da lacht die Schwabenseele im Bundespräsidenten, der auch mit Bachforelle und einem Rehrücken in Lebkuchenkruste zu beglücken ist. Angela Merkel gelüstet es ebenfalls nach Deftigem.Bratkartoffel, Kasseler mit Sauerkraut, Rouladen, Kotelettes vom Rind, Würstchen mit süßem Senf und Blutwurst mit Kartoffelstock gehören zu ihren Leibspeisen. Doch die Kanzlerin hat auch feinschmeckerische Anlagen, sie goutiert Flusskrebse, Carpaccio und in Barolo geschmorte Kalbsbacken. Und sie kocht gerne; ihre Gäste seien nach Fisch, Kartoffelsuppe und Roulade oder Gans noch nie hungrig heimgegangen. Dazu wird im Hause Merkel gerne Chablis oder gehaltvoller französischer Rotwein entkorkt, mit Blick auf wählende deutsche Winzer auch Riesling von Rhein und Mosel.
Diese Vorliebe für Franzengewächse eint sie ein bißchen mit Schröder, aber freilich nur ein bißchen, denn im Gegensatz zu seiner Nachfolgerin, die bescheiden eher auf preisgünstigem Niveau trinkt, mag es der Sozialdemokrat vom Feinsten.
Auch Barack Obama steht nicht gerade im Ruf eines praktizierenden Gourmets; er schätzt unkompliziert zubereitete und leger zu verzehrende Gerichte wie Sandwich (mit Corned-Beef), Fritten mit Käse, eine Pizza „Almost Gourmet“ (belegt mit Wurst und Salami) sowie die „Hot Dog“ genannte Bratwurst, bestrichen mit Ketchup oder Senf und umhüllt von einer wachsweichen Weißbrotstange, deren Geschmack mit neutral noch barmherzig beschrieben ist. Neuerdings wird dank des Einflusses von Michelle, der resolut charmanten First Lady, zwar Wert auf gesunde Nahrung in Form von viel Salat, Gemüse und Obst gelegt, aber in punkto seiner Vorliebe für typisch amerikanisches Fast Food wie in der Geschwindigkeit des Verzehrs ähnelt Obama seinem Vorgänger im Amt des Präsidenten. Gastronomisch ist und isst Obama wie Bush.Laura Bush, die Gute, hält ihren „George für einen sehr guten Esser“, was allerdings nur eine höfliche Umschreibung dessen ist, was Condoleezza Rice, seine engste politische Vertraute, etwas konkreter einmal so formuliert hat: „Er isst sehr schnell, wenn man nicht aufpaßt, ist er schon beim Dessert, während man selbst noch den Salat isst.“ George W. Bush mag beispielsweise nichts, was auf dem Teller seltsam aussieht. Rinderbraten mit Holunderbeersenf liebt er, desgleichen Erbsensuppe („mit einem Hauch Lavendel“ laut seiner Frau), auch Sandwich mit Erdnußbutter, zum Frühstück unbedingt Marmelade, nach texanischem Ritus jedoch alles, was unter freiem Himmel gegrillt werden kann, flankiert von viel Soße. Hinzu kommt eine Schwäche für Cremetorten – was wiederum an Helmut Kohl erinnert, der für eine Sachertorte sogar politische Termine schwänzte.
Im Protokoll des Auswärtigen Amtes in Berlin werden die gastronomischen Lüste und Leiden der Staatschefs seit langem notiert. Zu den Leibspeisen von Wladimir Putin gehört ein mit Speck und Dörrpflaumen gefüllter Truthahn. Generell mag es der Kreml-Chef, der regelmäßig sportelt, gesund, doch lässt er sich, wie sein Chefkoch Michail Schukow verrät, mit Eiscreme verführen. Auch Fischen ist Putin zugetan. Sinnlicher ließ es Boris Jelzin angehen, der verstorbene Vorgänger von Putin. Jelzin mochte es schwelgerisch und reichlich, auf dem Teller und vor allem im Glas. Bei Staatsbanketten ließ er sich ungerührt von zwei hinter ihm postierten russischen Dienern laufend aus zwei viereckigen Flaschen ohne Etikett eine glasklare Flüssigkeit einschenken. Wasser oder Wässerchen? „Wodka“, wie ein deutscher Kellner flüsternd verriet.
Als eher harmloser, leicht zu beglückender Gast gilt Gordon Brown, der sich an Favoriten der klassischen englischen Küche zwischen Räucherlachs, gegrilltem Fisch, Rinderbraten, Lammrücken mit Minzsauce und Pudding gerne labt. Deutlich heikler gibt sich Queen Elizabeth II. Zwar würde die Königin niemals mäkeln, aber wenn sie eine Speise nicht mag, dann beginnt ein Ritual, das jeden Koch entsetzt: die Queen zerschneidet die Portionen und schiebt sie manierlich auf dem Teller nur hin und her. Austern und Muscheln, blutiges Fleisch, Milchpudding, kalte Krustentiere, Fische mit Gräten und Aspik sind ihr ein Greuel. Hingegen mag sie bodenständige Gerichte wie Erbsensuppe mit Minzsauce sowie rheinischen Sauerbraten, und als ihr in Berlin im November 2004 ein Holunderbeerensalat serviert wurde, hat sie sogar um das Rezept gebeten.
Jacques Chirac, der französische Ex-Präsident, spottete gerne, die englische Küche sei nach der finnischen die schlechteste in Europa, um süffisant nachzusetzen, dass man Menschen, die derart schlecht kochten, nicht trauen könne. Ausländischen Kollegen ließ Chirac protokollgerecht französische Grande Cuisine auftischen. Für Gerhard Schröder hat er sogar einen 1961er Château Haut-Brion entkorken lassen, einen Lieblingswein des deutschen Exkanzlers für runde 4 000 Euro pro Flasche. Doch im Grunde seines Magens bevorzugte Chirac deftige Hausmannskost. Bei seinen Besuchen in Deutschland ließ er sich am liebsten mit bürgerlichen Speisen verköstigen. Zu einem Essen mit Gerhard Schröder in dessen Amtszeit als Kanzler gab es Eisbein, Sauerkraut und Erbsenspeckpüree. Es ist kein süßes Geheimnis, dass der Exkanzler gerne große Weine trinkt, teure Zigarren kubanischer Herkunft raucht und getrüffelte Gerichte nebst Kaviar liebt, doch kulinarisch auch mit Vulgaritäten wie Currywurst ohne Darm mit Pommes glücklich ist, Wiener Schnitzel mag und vor allem Kohlroulade.
Auch Nicolas Sarkozy speist nicht gerade zur höheren Ehre der französischen Hochküche. Im Gegensatz zu Vorgängern im Elysée-Palast wie Giscard d’Estaing, Georges Pompidou und zumal Francois Mitterand, einem versierten Feinschmecker, begnügt sich der französische Staatschef mit Gediegenem der französischen Bürgerküche in überschaubaren Portionen, die er, wie Besucher registrierten, in erstaunlichem Tempo bewältigt. Und anstelle von großen Weinen, gar Champagner, schenkt sich Sarkozy lieber Mineralwasser ein. Damit stößt er bei Schwedens König Gustav auf Unverständnis, denn der liebt die großen Roten aus Bordeaux, denen er auch tüchtig zuspricht, während Königin Sylvia, die gerne Fisch isst, dazu deutschen Riesling favorisiert.
Horst Köhler greift wacker und lebensfroh zu, wenn ihm ein Gaisburger Marsch serviert wird, sein Leibgericht, eine rustikale Mixtur aus Rinderbrust, Kartoffelwürfel, Sellerie, Lauch und Spätzle in kräftiger Rinderbrühe. Da lacht die Schwabenseele im Bundespräsidenten, der auch mit Bachforelle und einem Rehrücken in Lebkuchenkruste zu beglücken ist. Angela Merkel gelüstet es ebenfalls nach Deftigem.Bratkartoffel, Kasseler mit Sauerkraut, Rouladen, Kotelettes vom Rind, Würstchen mit süßem Senf und Blutwurst mit Kartoffelstock gehören zu ihren Leibspeisen. Doch die Kanzlerin hat auch feinschmeckerische Anlagen, sie goutiert Flusskrebse, Carpaccio und in Barolo geschmorte Kalbsbacken. Und sie kocht gerne; ihre Gäste seien nach Fisch, Kartoffelsuppe und Roulade oder Gans noch nie hungrig heimgegangen. Dazu wird im Hause Merkel gerne Chablis oder gehaltvoller französischer Rotwein entkorkt, mit Blick auf wählende deutsche Winzer auch Riesling von Rhein und Mosel.
Diese Vorliebe für Franzengewächse eint sie ein bißchen mit Schröder, aber freilich nur ein bißchen, denn im Gegensatz zu seiner Nachfolgerin, die bescheiden eher auf preisgünstigem Niveau trinkt, mag es der Sozialdemokrat vom Feinsten.
Quelle:
August F. Winkler











