Zum altbackenen Wertbild mancher Männer gehört, daß edel der Wein und süß das Mädel zu sein hat. So klingt es jedenfalls in Zecherrunden. Dagegen ist von vornherein nichts einzuwenden, denn töricht wäre, wer sich mager den Wein und sauer die Frauen wünscht. Aber wie das halt oft so ist, wenn einem die Romantik den Sinn fürs Reale verkitscht: Der Mann steht dem Thema Frau & Wein seit jeher mit ziemlichem Unverständnis und auch Ignoranz gegenüber.
Eine ebenso informative wie genüßliche Korrektur dieses schiefen Bildes in Form einer Hommage an Frauen & Wein findet am 2. Juni im Rahmen der Wiener Weinmesse „Vievinum“ statt, wo „11 Frauen & ihre Weine“ zu einer Verkostung ins Palmenhaus am Burggarten einladen. Die in einer Vereinigung zusammen geschlossenen Weinfrauen, darunter so bekannte Winzerinnen wie Heidi Schröck (Rust), Birgit Braunstein (Purbach), Michaela Ehn (Langenlois), Silvia Prieler (Schützen), Birgit Eichinger (Straß) und Silvia Heinrich (Deutschkreuz), sind mit ihren Gewächsen vom eleganten Riesling über den würzigen Grünen Veltliner und edelsüßen Ruster Ausbruch bis zum sinnlichen Spätburgunder international repräsentiert. Als Gastwinzerin tritt diesmal Maria Teresia Mascarello aus dem Piemont mit ihren feinen Roten auf.
Frauen lächeln also nicht nur als Weinköniginnen, sondern sind aktiv als Weinbäuerinnen tätig. Dennoch hört man selbst von jenen Männern, die geschmacklich nie über ein kleines Weinchen hinausgekommen sind, immer wieder ein hochnäsiges „Weiber verstehen nichts von Wein“. Das ist eine Pauschalisierung, die täglich von Frauen widerlegt wird, die erfolgreich im Weingeschäft tätig sind. Frauen führen Weingüter, leiten Weinhandlungen, managen Weinclubs und schreiben über Wein. Frauen belegen bei Weinwettbewerben zunehmend vordere Plätze und sie reüssieren als Weinkellnerinnen, auch Sommelieren genannt.
Unterstützung haben Frauen von Wissenschaftlern bekommen, die in Tests ermittelten, daß Frauen einen tieferen Geschmackssinn haben als Männer. Obendrein vermögen sie Gerüche besser zu identifizieren. Für den amerikanischen Professor William S. Cain hängt diese Fähigkeit logisch damit zusammen, dass Frauen „schon als Kinder und später als Erwachsene sehr viel häufiger mit Küchendüften in Berührung kommen als wir Männer.“ Feministinnen mag der Hinweis auf die Küche vielleicht nicht schmecken, doch Kochen ist eine gute Schule. Wahre Weinfreunde lieben die Gesellschaft von Frauen beim Wein freilich noch aus einem anderen Grund: Es ist ein Vergnügen, mit ihnen über Aromabilder zu plaudern.
Männer, zumal jene aus dem Lager der Fachleute, sind oft zu phantasielos, auch kleinmütig im Urteilen. Entweder kommt ihnen nur Chemisches in den Sinn („Der Wein hat eine Nachgärung“ – „Typisch flüchtige Säure“ – „Gutes Holz“) oder sie kramen im alten Vokabular („blumig“, „reintönig“, „füllig“, „stahlig“). Zwar ist es richtig und wichtig, einen Wein erst einmal streng sachlich zu analysieren, also konkrete Aussagen über die Farbe, den Duft und den Geschmack zu machen. Aber danach kann man fröhlich in Bildern schwelgen – und es gibt Weine, die sind tatsächlich scheu wie Rehe, weise wie ein Philosoph, üppig wie eine Sommerwiese, rasiermesserscharf, verklemmt, stark wie ein Eisenbieger oder züchtig wie eine Nonne.
August F. Winkler











