Wählen Sie eine Aktion:
Schrift:
Artikel vom: 08.05.2009
Zitronen: Unentbehrliches Aromat für Küchenkreative
Gelb, sauer und gesund sind die populären Tugenden, mit denen man die Zitrone gemeinhin seit altersher verbindet.
Neuerdings kommen freilich zwei Eigenschaften hinzu: modern und trendy. Der Duft lässt die Nasenflügel freudig vibrieren, der Saft schützt vor Grippe und ihre fruchtige Säure ist für die mediterrane Küche unentbehrlich, vom Fischcarpaccio übers Risotto bis hin zum Zitronensalat, den die sizilianische Köchin aus den berühmten, hocharomatischen Amalfi-Zitronen, erkennbar an der charakteristischen buckligen Form, bereitet: in hauchdünne Scheiben geschnittene Früchte werden – mitsamt der leicht bitter schmeckenden Haut, dem süßlichen Weiß und dem zartsauren Fleisch - mit etwas Salz nebst wenig Zucker gewürzt und mit feinstem Olivenöl beträufelt – fertig. Eventuell kann man ein paar feine Fenchelscheiben dazu mengen.
Die Herkunft der Zitrone lässt sich nicht präzise eruieren. Vermutet wird, dass die Urfrucht aus der östlichen Himalayaregion stammt und seit mehr als zweitausend Jahren kultiviert wird. Seefahrer haben die Zitrone von Südostasien, aus China und Indien, über Persien und die arabischen Länder nach Europa gebracht – und von hier exportierte sie Kolumbus 1493 weiter nach Amerika. Seit dem 13. Jahrhundert wird die Frucht, zunächst in Sizilien und Spanien, in Europa angebaut, ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Zierstrauch auch in Deutschland in den herrschaftlichen Orangerien.
Im Barock waren die Pflanzen wegen ihres Duftes und Geschmacks sowie aus dekorativen Gründen in der Gartenarchitektur sehr beliebt (eine botanische Besonderheit des Zitronenbaums ist, dass dieser ganzjährig gleichzeitig Blüten wie Früchte trägt, neben der Haupternte im Winter kann also jederzeit gepflückt werden). Hinzu kam ihr ideeller Wert als Symbol, man verstand Zitronen als die goldenen Äpfel der Hesperiden.
Bereits im Mittelalter wurde die Zitrone in der Küche genutzt, sind Zitrus-Rezepte überliefert. So löste der Saft in der Küche den Verjus ab, einen Most aus unreifen Trauben. Die abgeriebene Schale wird gerne als aromatisierende Zutat in der Küche wie speziell auch beim Backen verwendet. Schon ein Spritzer verleiht einer Sauce die begehrte Frische, gibt dem Carpaccio den finessigen Geschmack und sorgt bei Salaten, Gemüse, Fischgerichten und bei panierten Speisen à la Wiener Schnitzel für das raffinierte aromatische Extra. Dem Patissier dient die feine Säure als Gegengewicht zur Süße für die elegante Harmonie eines Desserts. Neben den Köchen rühmen auch Mediziner und Barkeeper den Wert der Zitrone; erstere, weil die Frucht reich an Vitaminen (bekanntlich sehr viel C!) und Mineralstoffen ist, Grippe und Darminfektionen vorbeugt; die anderen verwenden den Saft als belebendes und färbendes Element in ihren geistigen Mixturen.
Küchentechnisch hat die Zitrone inzwischen auch in Deutschland enorm aufgeholt. Ob es die karamellisierten Zitronenscheiben zu den gebratenen Garnelen sind, Spargel in Zitronencreme, die galant gerührte Zitronenbutter zum Loup de mer, die Gewürz-Zitronen-Kruste zur Lammkeule, das duftige Zitronensoufflé, ein erfrischendes Sorbet, delikates Limettentörtchen, ein Nase und Gaumen gleichermaßen betörendes Risotto oder die Poularde, die zerteilt auf dicht an dicht gelegten Scheiben von Zitronen und Limonen im Rohr knusprig gebraten wird: Zitrone & Co sind für Kreative in der Küche unentbehrlich. Donna Hay, die australische Starköchin, beschreibt ihre Mixtur aus Zitronensaft, Olivenöl., Kapern, Senf und Honig als „ein Geschmacksfeuerwerk“, partnerschaftlich nutzbar zu Pasteten, Pasta und Käse.
Die Griechen lieben ihre Zitronensuppe aus Fleisch- oder Hühnerbrühe, die mit schaumig geschlagenen Eiern, Reis und reichlich Zitronensaft angereichert wird. In Mexiko wird aus Avocados, Zwiebeln, Zitronensaft, Knoblauch, Salz und Pfeffer die „Guacomole“ als Soße zu hart gekochten Eiern, Fisch und Fleisch zubereitet. Eine köstliche Vorspeise sind gefüllte Zitronen: Früchte halbieren, das Fleisch auslösen, entkernen, in kleine Stücke schneiden, mit
fein gehackten Frühlingszwiebeln (oder Schalotten), Krabben (alternativ: Shrimps, Hummer) und Mayonnaise mischen, mit Sherry, Salz und Pfeffer abschmecken, mit Petersilie garnieren und in die geleerten Zitronenschalen füllen.
Zitrone ist freilich nicht gleich Zitrone. Die einzelnen Sorten unterscheiden sich in der Intensität der Säure, der Zahl der Kerne und der Dicke der Schale. Dünnschalige, saft- und säurereiche Früchte erkennt man übrigens an einer glatten Außenhaut. Eine grobporige Schale weist in der Regel auf säurearmes Fruchtfleisch hin. Die Farbe sagt wenig über die Güte aus, denn manche Zitronen sind schon reif und dennoch grünfleckig. Wichtiger ist der seidige Glanz, den eine perfekt gereifte Zitrone ausstrahlt. Limetten oder Limonen sind die grünhäutigen Schwestern der Zitrone: kleiner, rund bis oval, dünnschaliger, aromatischer, würziger, saftiger, im Schnitt reicher an feiner Fruchtsäure, aber ärmer an Vitamin C. Während Zitronen in subtropischem Klima gedeihen, benötigen Limetten tropische Temperaturen.
Das Zitronenfestival in Menton
Die größte Hommage an die Zitrone wird im südfranzösischen Menton gefeiert, der am östlichen Ende der französischen Riviera gelegenen wärmsten Stadt an der Côte d’Azur. Das lässt auch im Winter eine heitere Ferienstimmung aufkommen. Vom13. Februar bis 4. März 2009 findet die „Fête du Citron“ statt, zu der alljährlich um die 250 000 Besucher anreisen. Dieses weltweit einzigartige Zitronenfest ist nach dem Karneval von Nizza und noch vor dem Grand Prix der Formel 1 in Monaco die bedeutsamste Veranstaltung an der Côte. Entsprechend pompös ist das Szenario. Beim “Corso des fruits d’Or“ rollen mit Zitrusfrüchten aller Art geschmückte Festwagen die Uferpromenade entlang, flankiert von kostümierten Musikanten und maskierten Tänzern, die mit Konfetti um sich werfen.
Die Bildmotive auf den Wagen sind aus 145 Tonnen Zitrusfrüchten phantasievoll komponiert. Fanfaren erklingen, Trommelwirbel donnern in den azurblauen Himmel und der Festwagenkonvoi zieht sich mit den feiernden Menschen wie ein endloser Tanz der Lustbarkeit durch die engen Gassen und am Meer entlang.
Ganz Menton ist in diesen Tagen exklusiv der Zitrone gewidmet. Davon zeugt auch die Markthalle, ein faszinierendes Baudenkmal im Jugendstil mit einem zumal während des Festes besonders exquisitem Angebot an südländischen Früchten. In den Gärten des Palais Carnolés, der ehemaligen Sommerresidenz der Grimaldis, lockt die europaweit größte Sammlung an Zitrusfrüchten. Und mitten in der Stadt, in der Achse des vom Casino geradewegs auf die majestätisch im Hintergrund thronenden Seealpen zulaufenden Carei-Tales, erstreckt sich der Jardin Biovès, wo während des Festivals aus Zitronen und Orangen gestaltete Skulpturen, wahre Frucht-Kunstwerke, nachts zaubrisch illuminiert und beschallt, die Zuschauer entzücken. Zwar ist Sizilien umgangssprachlich das „Land, wo die Zitronen blüh’n“, aber Menton, von Frankreich im Jahre 1860 aus der Beschaulichkeit der Zugehörigkeit zum Fürstentum Monaco herausgekauft, gilt mit seinem Zitronenfest, das 2009 zum 75. Mal gefeiert wird, als die Diva der Zitrusfrüchte.
Das Zitronenfest in Menton findet vom 13. Februar bis zum 4. März 2009 statt. Wie in jedem Jahr wird das Fest vom internationalen Orchideenfestival und einer Messe über Handwerkskunst begleitet.
Infos: www.feteducitron.com
Neuerdings kommen freilich zwei Eigenschaften hinzu: modern und trendy. Der Duft lässt die Nasenflügel freudig vibrieren, der Saft schützt vor Grippe und ihre fruchtige Säure ist für die mediterrane Küche unentbehrlich, vom Fischcarpaccio übers Risotto bis hin zum Zitronensalat, den die sizilianische Köchin aus den berühmten, hocharomatischen Amalfi-Zitronen, erkennbar an der charakteristischen buckligen Form, bereitet: in hauchdünne Scheiben geschnittene Früchte werden – mitsamt der leicht bitter schmeckenden Haut, dem süßlichen Weiß und dem zartsauren Fleisch - mit etwas Salz nebst wenig Zucker gewürzt und mit feinstem Olivenöl beträufelt – fertig. Eventuell kann man ein paar feine Fenchelscheiben dazu mengen. Die Herkunft der Zitrone lässt sich nicht präzise eruieren. Vermutet wird, dass die Urfrucht aus der östlichen Himalayaregion stammt und seit mehr als zweitausend Jahren kultiviert wird. Seefahrer haben die Zitrone von Südostasien, aus China und Indien, über Persien und die arabischen Länder nach Europa gebracht – und von hier exportierte sie Kolumbus 1493 weiter nach Amerika. Seit dem 13. Jahrhundert wird die Frucht, zunächst in Sizilien und Spanien, in Europa angebaut, ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Zierstrauch auch in Deutschland in den herrschaftlichen Orangerien.
Im Barock waren die Pflanzen wegen ihres Duftes und Geschmacks sowie aus dekorativen Gründen in der Gartenarchitektur sehr beliebt (eine botanische Besonderheit des Zitronenbaums ist, dass dieser ganzjährig gleichzeitig Blüten wie Früchte trägt, neben der Haupternte im Winter kann also jederzeit gepflückt werden). Hinzu kam ihr ideeller Wert als Symbol, man verstand Zitronen als die goldenen Äpfel der Hesperiden.
Bereits im Mittelalter wurde die Zitrone in der Küche genutzt, sind Zitrus-Rezepte überliefert. So löste der Saft in der Küche den Verjus ab, einen Most aus unreifen Trauben. Die abgeriebene Schale wird gerne als aromatisierende Zutat in der Küche wie speziell auch beim Backen verwendet. Schon ein Spritzer verleiht einer Sauce die begehrte Frische, gibt dem Carpaccio den finessigen Geschmack und sorgt bei Salaten, Gemüse, Fischgerichten und bei panierten Speisen à la Wiener Schnitzel für das raffinierte aromatische Extra. Dem Patissier dient die feine Säure als Gegengewicht zur Süße für die elegante Harmonie eines Desserts. Neben den Köchen rühmen auch Mediziner und Barkeeper den Wert der Zitrone; erstere, weil die Frucht reich an Vitaminen (bekanntlich sehr viel C!) und Mineralstoffen ist, Grippe und Darminfektionen vorbeugt; die anderen verwenden den Saft als belebendes und färbendes Element in ihren geistigen Mixturen.
Küchentechnisch hat die Zitrone inzwischen auch in Deutschland enorm aufgeholt. Ob es die karamellisierten Zitronenscheiben zu den gebratenen Garnelen sind, Spargel in Zitronencreme, die galant gerührte Zitronenbutter zum Loup de mer, die Gewürz-Zitronen-Kruste zur Lammkeule, das duftige Zitronensoufflé, ein erfrischendes Sorbet, delikates Limettentörtchen, ein Nase und Gaumen gleichermaßen betörendes Risotto oder die Poularde, die zerteilt auf dicht an dicht gelegten Scheiben von Zitronen und Limonen im Rohr knusprig gebraten wird: Zitrone & Co sind für Kreative in der Küche unentbehrlich. Donna Hay, die australische Starköchin, beschreibt ihre Mixtur aus Zitronensaft, Olivenöl., Kapern, Senf und Honig als „ein Geschmacksfeuerwerk“, partnerschaftlich nutzbar zu Pasteten, Pasta und Käse.
Die Griechen lieben ihre Zitronensuppe aus Fleisch- oder Hühnerbrühe, die mit schaumig geschlagenen Eiern, Reis und reichlich Zitronensaft angereichert wird. In Mexiko wird aus Avocados, Zwiebeln, Zitronensaft, Knoblauch, Salz und Pfeffer die „Guacomole“ als Soße zu hart gekochten Eiern, Fisch und Fleisch zubereitet. Eine köstliche Vorspeise sind gefüllte Zitronen: Früchte halbieren, das Fleisch auslösen, entkernen, in kleine Stücke schneiden, mit
fein gehackten Frühlingszwiebeln (oder Schalotten), Krabben (alternativ: Shrimps, Hummer) und Mayonnaise mischen, mit Sherry, Salz und Pfeffer abschmecken, mit Petersilie garnieren und in die geleerten Zitronenschalen füllen.
Zitrone ist freilich nicht gleich Zitrone. Die einzelnen Sorten unterscheiden sich in der Intensität der Säure, der Zahl der Kerne und der Dicke der Schale. Dünnschalige, saft- und säurereiche Früchte erkennt man übrigens an einer glatten Außenhaut. Eine grobporige Schale weist in der Regel auf säurearmes Fruchtfleisch hin. Die Farbe sagt wenig über die Güte aus, denn manche Zitronen sind schon reif und dennoch grünfleckig. Wichtiger ist der seidige Glanz, den eine perfekt gereifte Zitrone ausstrahlt. Limetten oder Limonen sind die grünhäutigen Schwestern der Zitrone: kleiner, rund bis oval, dünnschaliger, aromatischer, würziger, saftiger, im Schnitt reicher an feiner Fruchtsäure, aber ärmer an Vitamin C. Während Zitronen in subtropischem Klima gedeihen, benötigen Limetten tropische Temperaturen.
Das Zitronenfestival in Menton
Die größte Hommage an die Zitrone wird im südfranzösischen Menton gefeiert, der am östlichen Ende der französischen Riviera gelegenen wärmsten Stadt an der Côte d’Azur. Das lässt auch im Winter eine heitere Ferienstimmung aufkommen. Vom13. Februar bis 4. März 2009 findet die „Fête du Citron“ statt, zu der alljährlich um die 250 000 Besucher anreisen. Dieses weltweit einzigartige Zitronenfest ist nach dem Karneval von Nizza und noch vor dem Grand Prix der Formel 1 in Monaco die bedeutsamste Veranstaltung an der Côte. Entsprechend pompös ist das Szenario. Beim “Corso des fruits d’Or“ rollen mit Zitrusfrüchten aller Art geschmückte Festwagen die Uferpromenade entlang, flankiert von kostümierten Musikanten und maskierten Tänzern, die mit Konfetti um sich werfen.
Die Bildmotive auf den Wagen sind aus 145 Tonnen Zitrusfrüchten phantasievoll komponiert. Fanfaren erklingen, Trommelwirbel donnern in den azurblauen Himmel und der Festwagenkonvoi zieht sich mit den feiernden Menschen wie ein endloser Tanz der Lustbarkeit durch die engen Gassen und am Meer entlang.Ganz Menton ist in diesen Tagen exklusiv der Zitrone gewidmet. Davon zeugt auch die Markthalle, ein faszinierendes Baudenkmal im Jugendstil mit einem zumal während des Festes besonders exquisitem Angebot an südländischen Früchten. In den Gärten des Palais Carnolés, der ehemaligen Sommerresidenz der Grimaldis, lockt die europaweit größte Sammlung an Zitrusfrüchten. Und mitten in der Stadt, in der Achse des vom Casino geradewegs auf die majestätisch im Hintergrund thronenden Seealpen zulaufenden Carei-Tales, erstreckt sich der Jardin Biovès, wo während des Festivals aus Zitronen und Orangen gestaltete Skulpturen, wahre Frucht-Kunstwerke, nachts zaubrisch illuminiert und beschallt, die Zuschauer entzücken. Zwar ist Sizilien umgangssprachlich das „Land, wo die Zitronen blüh’n“, aber Menton, von Frankreich im Jahre 1860 aus der Beschaulichkeit der Zugehörigkeit zum Fürstentum Monaco herausgekauft, gilt mit seinem Zitronenfest, das 2009 zum 75. Mal gefeiert wird, als die Diva der Zitrusfrüchte.
Das Zitronenfest in Menton findet vom 13. Februar bis zum 4. März 2009 statt. Wie in jedem Jahr wird das Fest vom internationalen Orchideenfestival und einer Messe über Handwerkskunst begleitet.
Infos: www.feteducitron.com
Quelle:
Franz von Bruck











